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Archiv der Kategorie Literarisches

25.2.2010 - Künstlerdoppel: Ute Doering und Kurt Drawert im Gespräch

Sie ist hinter der Linse, er hinter dem Wort zu Hause. Doch beide verdichten sie Realität: Ute Döring wählt hintersinnige Fotoinstallationen, deren harmloser Ersteindruck einen kritischen Blick auf die Realität verbergen: Denn stets zeigen ihre Fotoserien die schöne Welt als eine zerbrechliche. Ihr Gatte Kurt Drawert dagegen ist vor allem seiner Lyrik und essayistischen Schriften wegen bekannt geworden. Sein erster Roman „Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte“ (2008) gilt einerseits als „grandioses Kunstwerk“ (DIE ZEIT), andererseits als Tortour - was seinem schwermütigen Erzählstoff durchaus angemessen ist: Handelt es sich doch um eine „Notwehr“ gegen die Erlebnisse in dem von Drawert als unmenschlich wahrgenommenen totalitären DDR-Staat, in dem der Schriftsteller und seine Frau ihr halbes Leben verbrachten. Beide, Fotografin und Dichter, sind zu Gast im Gespräch mit Anja Trieschmann und dem Publikum der Ziegelhütte. Der Abend verspricht Leckerbissen zumindest für Auge, Ohr, Verstand und Gaumen. Donnerstag, 25. Februar, 20 Uhr im Künstlerhaus Ziegelhütte

11.07.2009 - Lesung mit Maynat Kourbanova

Die tschetschenische Journalistin und Autorin floh vor 5 Jahren aus ihrem Land, weil ihr Leben und das ihrer Tochter aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung über die dort verübten Kriegsgreuel und die russische Besatzung bedroht worden war. Sie lebt als Exilstipendiatin in Darmstadt und verarbeitet ihre Erlebnisse in literarischen Reportagen.

Ort: Wagenplatz Klabauta - Weidenweg 1 - Darmstadt
Nähe Messplatz/Bürgerpark

Zeit: 11. Juli 2009: Lesungsbeginn 17 Uhr
gemütliches Eintrudeln ab 16 Uhr

Der Eintritt ist frei, Spenden erfreuen das Herz! Für ortsübliches Getränk und Geknabber (tschetschenisch) ist gesorgt.

03.02.2008 Krankmeldung: Klagelied von fremdem Mund gesungen

Friederike Mayröcker ist krank, heißt es aus dem Pfarramt der Evangelischen Stadtkirche. Daher kann sie ihr “Requiem für Ernst Jandl” leider!!! nicht selbst lesen, sondern lässt es - auf eindringlichen Wunsch der Autorin - an ihrer Statt den Burgschauspieler Martin Schwab vortragen. Anlass für die geplante Lesung der großen alten Dame der Österreichischen Literatur ist die Ausstellung „Requiem“ der ebenfalls aus Wien stammenden Künstlerin Angelika Kaufmann.

In der Passionszeit, vom 3. Februar bis 19. März 2008, wird Angelika Kaufmann den gotischen Chorbogen der Stadtkirche mit einer rund 100m² großen Papierarbeit verhängen. Ihre Installation knüpft an die alte Tradition des Fastentuches an und nimmt Bezug auf Friederike Mayröckers “Requiem für Ernst Jandl”.
Unter dem Titel „Europäische Nachbarn – Passion Österreich“ findet parallel zur Ausstellung ein Festival mit Lesungen österreichischer Autorinnen und Autoren statt, das einen Eindruck der vielfältigen literarischen Landschaft des Nachbarlandes vermittelt und eine Auswahl hochkarätiger Literaten und Poeten nach Darmstadt bringen wird.
Sonntag (3.), 11.30 Uhr, Evangelische Stadtkirche Darmstadt

03.02.2008 - Klagelied einer Ungetrösteten

Februar (3.), 11.30 Uhr, Evangelische Stadtkirche Darmstadt, Lesung

An Friederike Mayröckers Texte allein mit rationalen Bezugsgrößen heranzugehen, hieße, ihrem poetischen, mal nach Traum, mal nach Melancholie duftenden Wortgespinst jene Kraft zu nehmen, die erst irritiert, dann berührt und schließlich - befreit. Die 1924 in Wien geborene Schriftstellerin nimmt die normative Syntax auseinander, wie es ihr ins Wort passt, ins geduldig erwartete, selbstkritisch hin- und hergewendete und aus Sprachexperimenten geschlüpfte Wort. Anlässlich der Ausstellung „Requiem“ von Angelika Kaufmann in der Evangelischen Stadtkirche liest die Büchnerpreisträgerin von 2001 aus ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten Buch „Requiem für Ernst Jandl“, in dem sie den Tod ihres Hand- und Herzgefährten Ernst Jandl in eine literarische Totenklage verwandelt. Eine Rezensentin beschreibt es als ein “fortwährendes Weiterreden” in der “nicht aussprechbaren Hoffnung, der andere würde es hören”. Am Ende steht ein Zitat von Mayröcker, das nichts zeigt als einen Mann und eine Frau zusammen: ‘in der Küche stehn wir beide / rühren in dem leeren Topf / schauen aus dem Fenster beide / haben 1 Gedicht im Kopf’.

Oberfeld-Roman: Roman von einem Feld

Mittwoch, 28.11.2007, 20:15h Lesung in der Buchhandlung Habel-Schlapp

Die Darmstädter Schriftstellerin Katja Behrens liest am 28. November aus ihrem neuesten Buch “Roman von einem Feld”, das am 15. November erscheint. Darin spürt sie der Geschichte und den vielen Geschichten nach, die sich seit dem Mittelalter rund ums Darmstädter Oberfeld ranken.

Wetter ist wichtig

Nicht nur für Briten. Auch für alle andern, die drin leben. Nicht natürlich für solche, die nach dem Morgenlatte im Ikeaglas aus der Herdwärme direkt in die vollklimatisierte Karosse fallen, aus der Garage rollen und vom Parkhaus ohne direkte Berührung mit Mutter Natur ins Büro schnellen. Für die nicht. Alle andern haben hin und wieder mit Wind und Sonne und Regen und Nebel und all den nadelfeinen Unterschieden in Tröpfchengröße und Sichtklarheit zu tun. Für die gibts hier Beobachtungen, die das Wetter so hergibt - meine Beobachtungen. Und ohne die möchte ich gar nicht mehr sein, denn kein einziges Wetter gleicht ja dem anderen, kein Morgen ist genauso rot oder diesig oder gelbgestreift wie der vorige, kein Gewitter zieht auf dieselbe Weise über die Siedlung weg wie das gestrige. Ich finde es lohnt sich zu gucken.

Gestern Nachmittag zum Beispiel zogen Sonnenstrahlen durchs hüfthohe Gras. Der Wind kämmte gar nicht zimperlich einige Grassträhnen, fuhr dem Sauerampfer burschikos durch die Dolden, griff dem Götterbaum ein wenig zu wüst in die Krone, dass der sie unwillig zurückwarf. Die Wilde Pflaume gebärdete sich wie ein ungelenker Teenager, der seine zu lang geratenen Glieder mitsamt der strähnigen Mähne zu imaginärem Metalgeschrammel durch die Luft schlenkert. Im Westen dunkelte indessen ein bedrohlicher Horizont heran, schob dabei wattiges Gewölk vor sich her, mitten hinein ins unschuldige Blau. Dort fransten noch einige verspielte Wolken zum lieblichen Aquarell aus, wie mit Weichzeichner verschliert. Ein weißer Schmetterling taumelte zwischen Sauerampferstengeln.

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