03.02.2008 - Klagelied einer Ungetrösteten

Februar (3.), 11.30 Uhr, Evangelische Stadtkirche Darmstadt, Lesung

An Friederike Mayröckers Texte allein mit rationalen Bezugsgrößen heranzugehen, hieße, ihrem poetischen, mal nach Traum, mal nach Melancholie duftenden Wortgespinst jene Kraft zu nehmen, die erst irritiert, dann berührt und schließlich - befreit. Die 1924 in Wien geborene Schriftstellerin nimmt die normative Syntax auseinander, wie es ihr ins Wort passt, ins geduldig erwartete, selbstkritisch hin- und hergewendete und aus Sprachexperimenten geschlüpfte Wort. Anlässlich der Ausstellung „Requiem“ von Angelika Kaufmann in der Evangelischen Stadtkirche liest die Büchnerpreisträgerin von 2001 aus ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten Buch „Requiem für Ernst Jandl“, in dem sie den Tod ihres Hand- und Herzgefährten Ernst Jandl in eine literarische Totenklage verwandelt. Eine Rezensentin beschreibt es als ein “fortwährendes Weiterreden” in der “nicht aussprechbaren Hoffnung, der andere würde es hören”. Am Ende steht ein Zitat von Mayröcker, das nichts zeigt als einen Mann und eine Frau zusammen: ‘in der Küche stehn wir beide / rühren in dem leeren Topf / schauen aus dem Fenster beide / haben 1 Gedicht im Kopf’.

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